Die im Gesprächskreis Junge Sozialdemokratie Berlin (JungSozis) organisierten pragmatisch orientierten Jusos innerhalb der Berliner SPD üben deutliche Kritik an dem im Thesenpapier des Juso-Bundesvorstandes “Für eine Linke der Zukunft“ vorgegebenen Kurs zur Ausrichtung der Sozialdemokratie.
Das Papier unternimmt den hilflosen Versuch, weitgehend auf Basis der marxistischen Kapitalismuskritik die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts für die soziale Demokratie zu analysieren und daraus Konsequenzen zu ziehen. Diese Herangehensweise ignoriert den Umstand, dass sich die Voraussetzungen für die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit in einer zunehmend internationalisierten Welt radikal verändert haben. Der Juso-Bundesvorstand scheint auf dem politischen Stand der Linkswende von 1968 stehen geblieben zu sein. Das Papier gefährdet die Grundlage für eine zukunftsfähige SPD.
Der Tenor des Papiers steht in der zweifelhaften Tradition etlicher vorangegangener Papiere des Juso-Bundesvorstandes: Massive Kritik an den mittlerweile erfolgreich wirkenden Reformen der rot-grünen Regierungszeit und Verunglimpfung von andersartigen politischen Ideen innerhalb der Sozialdemokratie als Neoliberalismus, die nicht in das eigene Weltbild passen. Eine rückwärtsgewandte, auf reine Umverteilung setzende Politik kann nicht im Sinne der Sozialdemokratie sein.
Die Radikalforderungen des Bundesvorstands zum Systemwechsel und zur Abschaffung der sozialen Marktwirtschaft sind nicht auf der Höhe der Zeit und bringen die Sozialdemokratie keinen Schritt weiter. Ziel des politischen Handelns muss vielmehr sein Politik aktiv zu gestalten. Denn der Großteil junger Menschen hat keine ideologischen Scheuklappen auf, sondern will eine moderne, pragmatische und realistische Politik. Dabei muss die SPD auch in Zukunft Wortführerin einer progressiven Reformpolitik sein.
Statt in die innerparteiliche Oppositionsrolle zu verfallen, sollte der Juso-Bundesvorstand seinen Beitrag dazu leisten, die Stärkung der sozialen Marktwirtschaft und die Weiterentwicklung der beschlossenen SPD-Reformen für mehr ökonomischen und sozialen Fortschritt in Deutschland voran zu bringen.
Für strategisch verfehlt halten wir auch den offensiv betriebenen Öffnungskurs des Juso- Bundesvorstandes in Richtung Linkspartei. Die SPD verliert weiter an Glaubwürdigkeit, wenn sie sich der Linkspartei anbiedert. Sie muss ihre eigene strukturelle Mehrheitsfähigkeit sicherstellen und sich inhaltlich mit den teilweise ideologischen, rückwärtsgewandten und nicht finanzierbaren Forderungen der Linkspartei auseinandersetzen. Dies kann nur geschehen, indem die SPD ihr
eigenes Profil schärft und neue Antworten auf die Themen unserer Zeit anbietet.
Soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit müssen sich nah an den Menschen orientieren und nicht an den unrealistischen Forderungen einer populistischen Partei.
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